Alte Jimdo-Creator-Seiten tauchen wieder in Suchergebnissen auf – und können aktuelle Webauftritte kannibalisieren

​Zahlreiche Kundinnen und Kunden berichten derzeit von einem Phänomen, das für betroffene Unternehmen erhebliche Folgen haben kann: Alte Jimdo-Creator-Seiten, die jahrelang (!) keine sichtbare Rolle mehr gespielt haben, erscheinen wieder in den Google-Suchergebnissen.

Betroffen sind nach den geschilderten Fällen vor allem frühere Free-Seiten die einmal Live-Domains waren, ältere Shop-Versionen und frühere Projektseiten auf Jimdo-Subdomains.

Sie tragen einheitlich den Title der technischen Betriebsdomain: jimdoweb.com und betreffen sowohl jimdofree.com- als auch jimdoweb.com-Seiten.

Das Problem liegt nicht allein in der Wiederauffindbarkeit alter Inhalte. Kritisch wird die Entwicklung vor allem dann, wenn diese veralteten Seiten in Konkurrenz zu den aktuellen Webauftritten derselben Betreiber treten.

Dann entstehen gleich mehrere Risiken: veraltete Preise, überholte Angebotsdarstellungen, widersprüchliche Informationen und eine Schwächung der aktuellen Markenpräsenz in der Suche.

Wieder sichtbare Altseiten als geschäftliches und markentechnisches Risiko

Nach den vorliegenden Schilderungen und eigener Recherche handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Dokumentiert sind zahlreiche Konstellationen, in denen frühere Jimdo-Creator-Seiten mit Jimdoweb.com-Subdomain und wieder in Suchmaschinen sichtbar wurden.

Darunter befinden sich laut dem dokumentierten Austausch auch ältere Shop-Seiten mit nicht mehr gültigen Preisen sowie frühere Inhalte, die von den Betreibern nicht mehr als aktiv wahrgenommen wurden.

Aus Sicht der Betroffenen ist das vor allem deshalb problematisch, weil die alten Seiten offenkundig nicht nur theoretisch indexierbar waren, sondern praktisch wieder Aufmerksamkeit und Zugriffe erhielten.

Im Fall einer Kundin wurde über eine alte Shop-Seite zu alten Preisen bestellt. In einem weiteren Fall wird beschrieben, dass eine ältere Seite parallel zur aktuellen Webpräsenz in den Suchergebnissen erschien und dadurch preisliche bzw. inhaltliche Widersprüche entstanden.

Ganz zu schweigen von daraus resultierenden Fulfillment-Problemen wegen unmöglicher Preis- und Lieferlagen.

Für Unternehmen, die ihre Website als verbindlichen Kommunikations- oder Vertriebskanal nutzen, ist das ein sensibles Thema. Sobald veraltete Inhalte öffentlich auffindbar sind und mit der aktuellen Website konkurrieren, entsteht nicht nur ein SEO-Problem, sondern auch ein Marken- und Geschäftsproblem.

Besuch von der eigenen Vergangenheit: direkt untereinander die aktuelle und die neue Webseite. Besonders prekär wenn z.B. ein externer (aber immer noch voll aktiver) Belegungskalender mit aktuellen Daten noch eingebunden ist und eine Buchungsmöglichkeit zu alten Preisen suggeriert.

Das sagt Jimdo zu dem Problem:

In einem Mailaustausch wurde das Thema an Jimdo herangetragen. Darin wurden mehrere Beispiele inkl. Google-Links genannt, in denen frühere Creator-Seiten nach jahrelanger Abstinenz plötzlich wieder in den Suchergebnissen auftauchten.

Die Fälle betreffen laut Schilderung sowohl eigene frühere Seiten als auch Seiten von Kunden. Uns liegen aktuell mehr als 20 Fälle vor.

Auf unsere Nachfrage hin teilte Jimdo mit, das Entwicklerteam habe den Sachverhalt geprüft, jedoch keinen Fehler in den eigenen Systemen festgestellt. Ebenfalls habe es nach dieser Darstellung keine Änderungen auf Seiten des Unternehmens gegeben, die das beschriebene Verhalten erklären würden.

Als mögliche Ursache wurde stattdessen eine Änderung im Google-Algorithmus genannt, auf die Jimdo keinen Einfluss habe.

Zugleich verweist Jimdo in seiner Antwort darauf, dass online erreichbare Websites grundsätzlich von Google indexiert werden können.

Wenn Nutzer noch ältere Free-Seiten besitzen, die sie nicht gelöscht haben, sei es eben durchaus möglich, dass diese als Suchergebnis erscheinen. Wer darin ein Problem sehe, könne die betreffenden Seiten löschen.

JIMDO betonte, mit diesem Problem im Kundenservice bislang noch nicht sichtbar konfrontiert worden zu sein.

Technisch nachvollziehbar, praktisch aber unzureichend

Die Jimdo-Antwort ist aus technischer Sicht zunächst mal objektiv und nachvollziehbar: Was online erreichbar ist, kann grundsätzlich von Suchmaschinen indexiert werden.

Auch die von der Fachabteilung geäußerte Vermutung, dass sich Bewertungs- oder Priorisierungssignale auf Seiten von Google geändert haben könnten, ist nicht unplausibel.

Aus Sicht betroffener Betreiber bleibt die Antwort dennoch unbefriedigend und achselzuckend. Denn sie erklärt zwar, warum eine Indexierung grundsätzlich möglich ist, greift aber die eigentliche Beschwerde nur begrenzt auf: Viele Nutzer hatten nach eigener Darstellung über längere Zeit (und einst auch so funktional dokumentiert) nicht den Eindruck, dass ihre alten Creator-Seiten noch faktisch relevant oder sichtbar seien sobald Paket und/oder Domain rausgenommen wurden. Gerade daraus entstand offenbar die – jahrelang bewährte – Erwartung und Erfahrung, dass diese Altseiten für die Suche keine operative Rolle mehr spielen.

Wenn solche Seiten dann unerwartet wieder sichtbar werden, reicht der Hinweis auf ihre technische Erreichbarkeit für die Betroffenen kaum aus. Denn das Problem besteht nicht in der abstrakten Existenz der Altseiten, sondern in ihrer plötzlichen praktischen Relevanz.

Mögliche Ursachen – und ihre Grenzen

Ob die Entwicklung auf Veränderungen bei Google, auf technische Rahmenbedingungen oder auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen ist, lässt sich auf Basis des vorliegenden Austauschs nicht abschließend klären.

Denkbar ist, dass sich Suchsignale verändert haben, dass alte Subdomains neu bewertet wurden oder dass aktuelle Hauptseiten zeitweise an Sichtbarkeit verloren und dadurch alte Versionen relativ aufgewertet wurden.

Gerade wenn eine aktuelle Website vorübergehend schlecht erreichbar ist, kann das Suchmaschinen zusätzliche Signale liefern, die alternative erreichbare Inhalte desselben Anbieters sichtbarer machen.

Auch das Nebeneinander mehrerer indexierbarer Versionen derselben Marke oder desselben Angebots erhöht grundsätzlich das Risiko von Kannibalisierung.

Entscheidend ist jedoch: Unabhängig von der genauen Ursache ist die praktische Folge dieselbe. Alte Creator-Seiten, die weiterhin online sind, können wieder sichtbarer werden und dadurch aktuelle Websites beeinträchtigen.

Folgen für SEO, Marke und Betrieb

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass es sich nicht nur um ein kosmetisches Problem handelt. Die Auswirkungen können mehrere Ebenen betreffen.

Zunächst entsteht ein SEO-Konflikt. Wenn Suchmaschinen zwischen alter und neuer Version wählen müssen, kann sich die Sichtbarkeit der eigentlichen Hauptseite verschlechtern.

Parallel dazu entsteht ein Vertrauensproblem: Nutzer, die auf eine veraltete Version gelangen, nehmen diese häufig als offiziell wahr, besonders wenn sie unter einer bekannten Markenbezeichnung oder mit vertrauten Inhalten erscheint.

Hinzu kommen operative Risiken. Alte Preise, veraltete Buchungsinformationen oder überholte Produktdarstellungen können Anfragen, Bestellungen oder Missverständnisse auslösen.

Für kleinere Unternehmen ist das besonders problematisch, weil Website, Kommunikation und Verkauf oft eng miteinander verzahnt sind.

Eigenes Beispiel: JIMDO-Handbuch.de war zuletzt 2022 mit bezahltem Paket / Domain gebucht, zog zu WooCommerce und letztlich zu Shopify. Somit eigentlich im JIMDO-Konto stillgelegt ist sie nun wieder unangenehm sichtbar.

Was Betreiber daraus ableiten sollten

Der wichtigste Schluss aus dem beschriebenen Vorgang ist pragmatischer Natur: Alte Jimdo-Creator-Seiten sollten nicht als bedeutungslose Altlast behandelt werden, solange sie technisch noch online erreichbar sind. Selbst wenn sie über lange Zeit keine sichtbare Rolle gespielt haben, können sie offenbar erneut Relevanz in den Suchergebnissen gewinnen.

Für Betreiber bedeutet das, dass eine Bestandsaufnahme sinnvoll ist. Wer noch frühere Jimdo-Subdomains, alte Free-Seiten, historische Shop-Versionen oder nicht mehr gepflegte Projektseiten im Account hat, sollte prüfen, ob diese noch erreichbar und indexierbar sind.

Wo solche Seiten nicht mehr benötigt werden, ist ihre vollständige Löschung die sauberste Lösung. Wenn eine sofortige Löschung aus bestimmten Gründen nicht möglich ist, sollten zumindest Maßnahmen ergriffen werden, um Fehlleitungen zu reduzieren. Dazu zählen etwa eine stark reduzierte Darstellung, ausgeblendete Navigationselemente und ein klarer Hinweis auf die aktuelle Website. Auch Weiterleitungen bzw. deutliche Lenkungselemente können helfen, Besucher auf die korrekte Präsenz zu führen.

Was zu tun ist – Gegenmaßnahmen

Falls Ihnen eine stillgelegte JIMDO-Domain nicht bereits aufgefallen ist, prüfen Sie zunächst, ob Ihre alten JIMDO-Domain betroffen und bei Google indiziert ist, obwohl sie weder eine zugewiesene „echte“ Domain noch ein bezahltes Paket hat.

 

  • Rufen Sie zunächst Ihr JIMDO-Konto auf und kopieren Sie  eine .jimdoweb.com oder .jimdofree.com Domain die dort (noch liegt). Gegebenenfalls haben Sie mehrere (totgeglaubte).
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  • Rufen Sie Google auf und suchen Sie mit dem site:-Befehl nach dieser Domain
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  • Falls Suchergebnisse (egal wieviele) zu dieser Domain angezeigt werden, können Sie davon ausgehen, dass Ihre alte JIMDO-Seite bei den Suchergebnissen mitmischt, angezeigt und geklickt wird.
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  • Entscheiden Sie, ob diese Suchergebnisse gewünscht oder unerwünscht sind. Vermutlich letzteres.

Handeln

Schnelle Schadensbegrenzung

    1. Müssen Sie aus irgendwelchen inhaltlichen oder dokumentarischen (z.B. buchhalterischen) Gründen diese alte Seite (noch kurzfristig) behalten?
        • gehen Sie in den Bearbeitungsmodus dieser alten Seite und blenden Sie zunächst die komplette Navigation aus und löschen Sie die Startseiteninhalte
        • vergeben Sie weiterhin ein Passwort auf alle Unterseiten
        • Erstellen Sie zum Beispiel hier ein PopUp mit dem sie mögliche Besucher auf eine neue URL lenken

       

      • Holen Sie schnellstmöglich alles was Sie noch aus der alten Seite benötigen (Mailformulare, Texte, Bilder Bestellungen etc.) aus dieser alten Seite und gehen Sie zügig über zum nächsten Schritt.

Löschen der Seite

    • Gehen Sie in das JIMDO-Dashboard und klicken Sie auf das Dropdown der Seite die Sie definitiv löschen möchten
    • bestätigen Sie die Löschung
    • überprüfen Sie über einen längeren Zeitraum die Löschung

Fazit

Die Wiederkehr alter Jimdo-Creator-Seiten in den Suchergebnissen ist mehr als ein technisches Randphänomen. Für betroffene Betreiber kann sie zu Sichtbarkeitsverlusten, Markenverwässerung und geschäftlichen Problemen führen. Besonders kritisch wird es dort, wo alte Shops oder frühere Preisstände erneut öffentlich auffindbar sind.

Der Austausch mit Jimdo zeigt eine klare Differenz in der Bewertung des Problems. Während Jimdo keinen eigenen Systemfehler erkennt und auf die grundsätzliche Indexierbarkeit online erreichbarer Seiten verweist, erleben Betroffene (insbesondere die doch von Jimdo sehr stark in den Mittelpunkt gestellten Selbständigen) solche Entwicklungen als unerwartete Störung des laufenden Geschäfts.

Damit bleibt als praktische Konsequenz vor allem eines: Alte Seiten sollten aktiv bereinigt werden. Denn was technisch noch online ist, kann unter Umständen auch wieder sichtbar werden – und dann schneller relevant werden, als vielen Betreibern lieb ist.